Zeit der Jubiläen

Apr
12
2007

Die Medien widmen z.Z. wieder einmal Ihre Aufmerksamkeit dem Jubilaren, dem Trabant. Dies zum Anlaß nehmend, will ich an dieser Stelle den im Schatten stehenden Wartburg etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).
Ja, es ist wieder einmal Zeit für runde Geburtstage! Nicht nur das Automobilwerkes Eisenach hatte am 10. April letzten Jahres seinen 15. Schließungstag und ebenfalls im vergangenen Jahr feierte der Wartburg 311 sein 50. Jubiläum zu seiner Entstehung!

Ausgehend von der Nullserie 1957, wird der Trabant 50 Jahre. Erst ab 1958 wurde das Auto, das wir als Trabant kennen, in Serie gebaut und unter diesem Namen verkauft. Bis dahin hieß das neue Modell schlicht P50.

Am 4. Oktober 1957 erreichte zum ersten Mal ein künstlicher Satellit die Erdumlaufbahn. Dieses russische Modell nennt sich Sputnik, was soviel wie „Begleiter“ oder „Weggefährte“ heißt.
Der Name Trabant wurde 1957 im Rahmen einer Umfrage in der DDR gefunden. Trabant bedeutet das gleiche wie Sputnik.
Das alles ist Ihnen sicher nichts Neues.

Heute, viele Jahre nach der sog. Wende, wird der Trabant heftig gefeiert, ist in aller Munde. Zum Kultobjekt wurde er jedoch nicht in der DDR, sondern erst nach 1990 vornehmlich auf der westlichen Seite Deutschlands erkoren.

Viele DDR-Bürger ließen sich verleiten und ließen ihre Ostmobile (ja, es gab noch mehr außer Trabant und Wartburg) unmittelbar nach 1990 am Straßenrand stehen, um eines der begehrten, leider aber oft TÜV-unfähig verschlissenen „Westwagen“ überteuert zu kaufen.
Ein rapider Werteverfall setzte ein und kaum 2 Monate später, bekam man Autos, die vorher viele tausend DDR Mark gekostet haben, für’n „Fuffi oder ’nen Kasten Bier“.

Mehrere solcher Verkaufswellen, teils in den alten Bundesländern, teils auch in den Niederlanden organisiert, überrollten das Land.
Der Trabant mutierte zur Graffiti beschmierten „Pappe“, zum Werbeträger. Verschmäht von den meisten! Ein neues Land braucht neue Autos, war die fragwürdige Devise! Und so beeilten sich viele, schnell einen Wechsel herbeizuführen – die Mauer könnte ja vielleicht wieder zugemacht werden...
Es brauchte Jahre, bis der Trabant scheinbar „wiederentdeckt“ wurde.

Die Ostalgiewelle war geboren.
Und die Medien bedien(t)en nur all zu bereitwillig dieses Klischee.

Doch immer noch gab es Leute, die an dem Werteverfall nicht teilnehmen wollten oder konnten und ihrem Gefährten, ob Trabant oder Wartburg treu geblieben sind. Oft genug auch, weil sie sich kein anderes Auto leisten konnten, bis heute.

In der DDR war man froh, wenn man überhaupt einen PKW sein eigen nennen konnte. Und da der Trabant ausdauernd, zuverlässig und relativ leicht zu reparieren war, wurde er tatsächlich zu einem „Weggefährten“. Ohne jeden Kultstatus. Dennoch träumten auch DDR-Bürger von moderneren Fahrzeugen und da die Autovielfalt begrenzt war, galt es für sehr viele als erstrebenswert, mit dem Wartburg die „nächste Stufe der Entwicklung“ zu erklimmen.

Ein Auto von Format, ein Auto mit internationaler Anerkennung – damals in den 60’er Jahren („Wartburgwagen – formschön und zuverlässig“).

Die höchste erreichbare Stufe war damals für viele DDR-Bürger der Lada. Ausstattung, Verarbeitung, 4-Taktmotor machten ihn zum begehrten Liebling, war er doch ein Fiat-Lizenz-Nachbau.

Wir „feiern“ 50 Jahre Trabant.
Wo aber ist der Wartburg geblieben? Der blieb anscheinend in Deutschland auf der Strecke, obwohl er Jahrzehnte lang mit Erfolg in alle Welt exportiert wurde!
Hier ein paar wenige Eckdaten zum vergessenen, aber interessanten Eisenacher Automobil:

Wie steht es heute mit den übrig gebliebenen Fahrzeugbeständen, die man – ob Old- oder Youngtimer – zu den kulturhistorischen Hinterlassenschaften des Automobilbaus deutscher Geschichte zählen darf?
Entsprechend einer Statistik des KBA-Flensburg vom Januar 2006 existieren von einst Millionen zugelassenen DDR-Fahrzeugen in Deutschland noch folgende:

ca. 60.000 Trabant (alle Typen: Trabant 500, 600, 601, 1.1)
davon:
    Trabant 601: 53.100
    Trabant 1.1: 2.300
    sonstige: 4.600

ca. 14.000 Wartburg (alle Typen: Wartburg 311, 312, 313, 353, 1.3)
davon:
    Wartburg 353 Limousine: 4.650
    Wartburg 353 Tourist: 1.130
    Wartburg 1.3 Limousine: 5.560
    Wartburg 1.1 Tourist: 830
    sonstige: 1.860
        darin enthalten:
        Wartburg 311 Coupé: <100
        Wartburg 312 Camping: <100
        Wartburg 313 Sport: <60

Anhand dieser Zahlen wird deutlich, das in Deutschland der Wartburg bereits zu der aussterbenden Art gehört. Liebhaber finden sich aber in aller Welt (ganz Europa, Nikaragua, USA, …)
Neben dem Museum in Eisenach „Automobile Welt Eisenach“, bemühen sich einige kleinere Vereine und zahlreiche „Einzelkämpfer“ regelmäßig um den Erhalt der Fahrzeuge:
 

Eine Handwerksfirma, die sich wie keine andere sonst seit 1990, vollständig und konsequent auf die Pflege und den Erhalt ausschließlich dieser Fahrzeuge konzentriert, ist die Fa. Heineken in Großhartmannsdorf (Erzgebirge, Nähe Freiberg bzw. Dresden).Siehe dazu auch http://www.heineken-asc.de

Die „Aktivisten“ und Liebhaber der Automarke Wartburg kommen mindestens einmal im Jahr zu Europas größtem Wartburgtreffen zusammen, welches jährlich am letzten Juni Wochenende anläßlich des Dornburger Rosenfestes (Nähe Jena) stattfindet.
Vergleichbare Treffen haben sich in Eisenach und Magdeburg etabliert. Viele Wartburgfreunde scheuen den Aufwand nicht und reisen hunderte, manche tausende Kilometer weit an (England, Polen, Finnland, …).
Darüber hinaus gibt es natürlich so manches kleine engagierte Treffen in verschiedenen Teilen des Landes.
Siehe dazu auch umfangreiches Material auf dieser Homepage.